Willkommen, Vera Traub

Vera Traub wird im April ihre Stelle als ausserordentliche Professorin antreten. In diesem Interview spricht sie über die Aspekte ihrer Rolle, die ihr besonders wichtig sind, über die praktischen Anwendungen des Travelling-Salesman-Problems und gibt einen Ratschlag für Studienanfängerinnen und -anfänger.

Eine Informatik-Professorin

Im Dezember 2024 wurde Vera Traub zur ausserordentlichen Professorin für Informatik an der ETH Zürich ernannt. Zuvor war sie als Professorin an der Universität Bonn tätig. Ihre preisgekrönte Forschung beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen zur effizienten Berechnung von Lösungen für schwierige Optimierungsprobleme.

Professorin Vera Traub, was hat Ihr Interesse an der Informatik geweckt?
Vor meinem Studium hatte ich keinerlei Berührungspunkte mit der Informatik und entschied mich für ein Mathematikstudium. Während meines Studiums belegte ich einige Vorlesungen über Algorithmen und war fasziniert von der Kombination aus schöner mathematischer Theorie und praktischer Problemlösung. So spezialisierte ich mich auf kombinatorische Optimierung an der Schnittstelle zwischen Mathematik und Informatik.

Welche Faktoren haben zu Ihrer Entscheidung für die ETH Zürich beigetragen?
Ich hatte vor einigen Jahren das grosse Vergnügen, zwei Jahre als Postdoc an der ETH Zürich zu verbringen, und habe das lebendige Forschungsumfeld sehr genossen. Die ETH bietet hervorragende Bedingungen für die Forschung und hat starke Studierende. Ich freue mich sehr, nun als Professorin an die ETH Zürich zurückzukehren.

«In der Lehre und in meiner Forschungsgruppe ist mir eine interaktive Atmosphäre wichtig, in der sich jeder und jede wohlfühlt, Fragen stellt und eigene Gedanken und Ideen einbringt.»
Professorin Vera Traub

Welche Aspekte oder Prinzipien sind für Sie als Professorin besonders wichtig?
In der Forschung versuche ich, mich auf grundlegende Fragen zu konzentrieren und Ergebnisse anzustreben, die unser Verständnis deutlich voranbringen. Den Fokus nicht nur auf die Quantität der Ergebnisse zu setzen. In der Lehre und in meiner Forschungsgruppe ist mir eine interaktive Atmosphäre wichtig, in der sich jeder und jede wohlfühlt, Fragen stellt und eigene Gedanken und Ideen einbringt. Ich glaube, dass dies für ein produktives Arbeits- und Lernumfeld entscheidend ist.

Was ist Ihr Forschungsgebiet?
Ich beschäftige mich mit kombinatorischer Optimierung und Approximationsalgorithmen. Ein bekanntes Beispiel für die Art von Problemen, die ich untersuche, ist das Problem des Handlungsreisenden. Hier suchen wir nach der kürzesten Route, um mehrere Orte zu besuchen. Da es sehr schwierig sein kann, eine optimale Route zu finden, entwickeln wir Approximationsalgorithmen. Das sind Algorithmen, die in angemessener Rechenzeit immer eine Tour finden, die nicht viel länger ist als die kürzeste Variante.

Ein weiteres Beispiel für ein kombinatorisches Optimierungsproblem ist das Steiner-Baum-Problem, bei dem es darum geht, den kürzesten oder billigsten Weg zu finden, um eine gegebene Menge von Orten zu verbinden. Auch hier kann es schwierig sein, eine optimale Lösung zu berechnen, weshalb wir Algorithmen zur Approximation entwickeln.

Welcher Aspekt Ihrer Forschung fasziniert Sie am meisten?
Viele der Probleme, mit denen ich mich beschäftige, wie zum Beispiel das Problem des Handlungsreisenden, sind sehr einfach zu beschreiben, aber extrem schwierig zu lösen. Sie werden oftmals schon seit Jahrzehnten untersucht, und trotz spannender Entwicklungen in den letzten Jahren sind viele grundlegende Fragen noch offen. Besonders faszinierend finde ich, dass die Erforschung dieser scheinbar einfachen Fragen zur Entwicklung einer Vielzahl von algorithmischen Techniken führt, die oft über das eigentliche Problem hinaus anwendbar sind.

Worin sehen Sie den gesellschaftlichen Nutzen Ihrer Forschung?
Kombinatorische Optimierungsprobleme gibt es in vielen praktischen Anwendungen, zum Beispiel in der Logistik. Hier können bessere Algorithmen zur Tourenplanung zu effizienteren Rundgängen und einer Reduktion der CO2-Emissionen führen.

Meine Forschung trägt dazu bei, die grundlegenden kombinatorischen Probleme, die in solchen realen Anwendungen auftreten, besser zu verstehen und neue algorithmische Techniken zu entwickeln. Der Grossteil meiner Forschung konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen, aber ich habe zusammen mit Industriepartnern auch an angewandten Projekten gearbeitet.

«Besonders faszinierend finde ich, dass die Erforschung scheinbar einfacher Fragen zur Entwicklung einer Vielzahl von algorithmischen Techniken führen kann, die oft über das eigentliche Problem hinaus anwendbar sind.»
Professorin Vera Traub


Welchen Rat würden Sie Informatik-Studierenden geben, die gerade erst mit ihrem Studium beginnen?
Stellen Sie Fragen – in der Vorlesung, aber auch an Ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen. Wenn man gemeinsam über neues Material diskutiert, kann man voneinander lernen. Anderen ein Konzept zu erklären, ist auch eine gute Möglichkeit, das eigene Verständnis zu vertiefen.

Haben Sie Hobbys oder Interessen ausserhalb des akademischen Bereichs, die Sie mit der D-INFK Community teilen möchten?
In meiner Freizeit spiele ich gerne Brettspiele und gehe wandern. Ich freue mich auf die schöne Landschaft und die vielen Wandermöglichkeiten in der Schweiz.